Bio Award Niederösterreich & Wien 2026

Biohof Kurz ums Eck

Julia und Bernhard Kurz, 3383 Hürm

Ihre große Leidenschaft für Rinder zeigt sich am Hof von Julia und Bernhard Kurz in vielen Details: in der Haltung ihrer Tiere, im direkten Blick von der Terrasse in den Stall, auf Bernhards T-Shirt und im Design der Verpackung für die hofeigenen Milchprodukte. 2016 übernahmen die beiden den elterlichen Hof von Bernhard und stellten ihn aus Überzeugung auf Bio um. Bernhard war zuvor 15 Jahre als Programmierer und Projektleiter außerlandwirtschaftlich tätig und Julia, ausgebildete Grafikerin, stieg der Liebe wegen in die Landwirtschaft ein.

Kuhliebe

Die Milchkühe am Biohof Kurz leben mit ihren Kälbern und Stier „Mickey“ im 2021 erbauten geräumigen, licht- und luftdurchfluteten Kompostierstall. Kurz gesagt: Tierwohl auf höchster Stufe! Seit 2018 wird am Hof die „Muttergebundene Kälberaufzucht“ praktiziert. Das heißt, die Kälber bleiben nach der Geburt bei ihren Müttern und dürfen drei Monate lang in der Herde mitlaufen. So können sie – wie bei der Mutterkuhhaltung – jederzeit bei der eigenen Mutter trinken. Das bedeutet zwar weniger Milch für die Verarbeitung und Vermarktung, dafür aber gesunde und vitale Kälber, die ausgelassen zwischen den Milchkühen laufen und umherspringen.

Bei der genannten Stallform findet eine Kompostierung des organischen Materials bereits im Stall statt. Durch die Erwärmung beim Kompostiervorgang verdampft die Flüssigkeit der eingebrachten Exkremente und die Einstreu bleibt trocken und sauber. Der für den Rotteprozess erforderliche Sauerstoff wird durch tägliches Grubbern der Einstreu zugeführt. Aufgrund der weichen und trockenen Oberfläche gilt diese Stallform als besonders tierwohlgerecht – was man deutlich erkennen kann, wenn man die Tiere beobachtet und ihnen in die Augen schaut!

Zero Waste im Pfandglas

Der Großteil der Milch ihrer 29 Kühe wird direkt am Hof verarbeitet. Rohmilch, Joghurt, Topfen, Sauermilch, Sauerrahm und ungereiften Weichkäse gibt es in zahlreichen Variationen: Je nach Produkt mit selbsteingekochten Fruchtmischungen, mit Kräutern und Gewürzen, Hanfsamen und Rinderschinken. Die Früchte dafür stammen vom eigenen Betrieb oder werden – wie Kräuter und Gewürze – von Partnerbetrieben aus der Region zugekauft. Alle Produkte werden konsequent im Pfandglas angeboten – dank vieler Stammkundinnen und Stammkunden funktioniert dieses Mehrwegsystem hervorragend und ermöglicht einen nachhaltigen Produktkreislauf. Vermarktet wird ab Hof, über FoodCoops und im Lebensmittelfachhandel.

Kühe beobachten und Landwirtschaft erleben

Der Hof von Julia und Bernhard befindet sich seit jeher mitten im Ortszentrum von Hürm. Der Stall wurde bewusst am bestehenden Standort neu errichtet und nicht auf die „Grüne Wiese“ verlegt. Damit wollen die Beiden zeigen, dass moderne Tierhaltung auch im Ortsverbund möglich ist. Der offene Stall schafft für Spaziergänger:innen jederzeit Einblicke in die Tierhaltung. Besonders Kinder beobachten gerne die Kühe, während Eltern miteinander ins Gespräch kommen. So wird Landwirtschaft unmittelbar erlebbar und biologische Lebensmittelproduktion für alle sicht- und greifbar. Ein Seminarraum mit Dachterrasse bietet einen direkten Blick zu den Kühen, und eine Schaukel im Stall macht den Besuch besonders für Kinder zu einem Erlebnis.

Die Weitergabe von praxisnahem Wissen wird hier großgeschrieben: Julia hat den Zertifikatslehrgang für „Schule am Bauernhof“ absolviert und vermittelt bei Betriebsführungen anschaulich Einblicke in die Landwirtschaft – vom Leben der Kühe bis hin zum Weg der Milch zum fertigen Milchprodukt. Kinder lieben es, wenn sie selbst Hand anlegen dürfen und ihre selbstgerollten „Topfenkugerl“ mit Kräutern und Gewürzen verfeinern dürfen.

Soziales und ökologisches Engagement am Biohof

Um wertvolle Lebensräume für Vögel, Insekten & Co zu schützen, werden die Wiesen – sofern möglich – streifenweise gemäht. Zum Erhalt seltener Vogelarten besteht eine Kooperation mit Ornithologen. Zur Abfederung von Futterknappheit in Trockenperioden werden Luzerne-Kleegrasmischungen angebaut. Weiters führt Bernhard Versuche mit Teffgras – einer sehr trockenheitstoleranten Pflanze, auch Zwerghirse genannt – durch. Gibt es einen Überschuss in der Produktion, werden Joghurt und Topfen an Sozialmärkte geliefert. Und bei der Etiketten-Entfernung wird mit einer Caritas-Einrichtung kooperiert.

Das Resümee der Jury

Die Juroren waren sich einig: Der Biohof Kurz setzt Tierwohlmaßnahmen und ganzheitliche Ansätze besonders konsequent und innovativ um. Als einer der ersten Betriebe etablierte er die muttergebundene Kälberaufzucht sowie den Kompostierstall. Hervorzuheben ist weiters die nachhaltige Vermarktung der am Hof verarbeiteten Produkte ausschließlich in Pfandgläsern. Benötigte Zutaten wie beispielsweise Früchte und Öle werden so regional wie möglich von anderen Biohöfen zugekauft.

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