Bio Award Niederösterreich & Wien 2026

GeLa Ochsenherz

2230 Gänserndorf

Die Karottensorte Ochsenherz ist Namensgeberin für die erste Solidarische Landwirtschaft Österreichs. Die eher kleinere, dicke, spitz auslaufende Wurzel zeichnet sich durch ihren süß-aromatischen Geschmack aus. Ihre charakteristische Form erinnert an ein Herz – und steht damit sinnbildlich für die Idee, die hinter der GeLa Ochsenherz steht: Landwirtschaft, die von Gemeinschaft, Verbundenheit und gegenseitiger Verantwortung getragen wird.

Als Vorreiterin der gemeinschaftsgetragenen Landwirtschaft (CSA – Community Supported Agriculture) versorgt GeLa Ochsenherz heute mehr als 300 Haushalte in Wien und Umgebung wöchentlich mit frischem Gemüse, Erdäpfeln, Kräuter und Obst aus eigenem Bio-Anbau.

Ein Pionierbetrieb der Solidarischen Landwirtschaft

Die GeLa Ochsenherz wurde 2011 aus dem bestehenden Gärtnerhof Ochsenherz gegründet. Die Mitglieder bei GeLa Ochsenherz sind keine klassischen Kund:innen. Durch ihre Mitgliedschaft sichern sie die finanzielle Grundlage der landwirtschaftlichen Produktion und ermöglichen faire Gehälter für die Mitarbeitenden. Sie leisten einen monatlichen, an ihre finanziellen Verhältnisse angepassten Beitrag und erhalten im Gegenzug einen Anteil an der wöchentlichen Ernte.

Auch Risiken wie Ernteausfälle oder Schädlingsbefall werden von der Gemeinschaft mitgetragen. Dadurch ist eine vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft möglich, die unter den Bedingungen des freien Marktes nur schwer umsetzbar wäre.

Vielfalt, Vielfalt, Vielfalt!

Am Betrieb werden aktuell 508 verschiedene Gemüse-Sorten für den eigenen Anbau und die Jungpflanzenproduktion kultiviert. Auf den Feldern wachsen heuer 110 verschiedene Gemüse- und Kräuterarten, wodurch die Mitglieder ganzjährig mit einer großen Vielfalt an Lebensmitteln versorgt werden.

Im Frühjahr betreibt GeLa Ochsenherz eine eigene Jungpflanzen-Anzucht mit Ab Hof Verkauf, der wegen der großen Sortenvielfalt weit über die Grenzen von Gänserndorf hinaus bekannt und beliebt ist.

Maßnahmen zur Biodiversität und Lebensmittelwertschätzung

Der Artenreichtum wird durch zahlreiche ökologische Maßnahmen gefördert. Dazu zählen unter anderem Gehölze, Biodiversitätshecken, Lebensräume für ökologische Nischen, Bienenvölker und vieles mehr. Für eine bodenschonende Bewirtschaftung setzt der Betrieb auf Dammkultur. Da die gesamte Ernte unabhängig von Größe, Form oder Aussehen an die Mitglieder verteilt wird, ist der Anteil an Lebensmittelverlusten auf dem Feld minimal. GeLa Ochsenherz verfolgt einen achtsamen und ressourcenschonenden Umgang mit Boden, Wasser und anderen natürlichen Lebensgrundlagen

Gemeinschaft und aktive Zusammenarbeit

Die Mitglieder werden aktiv in das Hofleben einbezogen. Bei regelmäßigen Hofaktionstagen können sie direkt am Betrieb mitarbeiten. Veranstaltungen wie ein Frühlingsfest und ein Erntedankfest stärken den Austausch und die Gemeinschaft. GeLa Ochsenherz pflegt außerdem einen intensiven Austausch mit anderen Solidarischen Landwirtschaften in Österreich. Aus dem Umfeld des Betriebs sind mehrere Initiativen entstanden, wie etwa die MUNUS-Stiftung, die Schwester-Solawi Ouvertura, der Verband Solawi Leben und der Solidar Wien.

Bildung und Wissenstransfer

Der Betrieb versteht sich auch als Ort des Lernens und der Wissensvermittlung. Es werden Praktikumsplätze und ein Freiwilliges Umweltjahr angeboten. Darüber hinaus steht GeLa Ochsenherz für Workshops mit Schüler:innen und fachspezifische Weiterbildungen, beispielsweise zum Thema Dammkultur, zur Verfügung.

Beitrag zu einem zukunftsfähigen Ernährungssystem

GeLa Ochsenherz versteht Solidarische Landwirtschaft als essentiellen Bestandteil eines zukunftsfähigen Lebensmittelsystems, neben anderen Alternativen wie FoodCoops, Mitmach-Supermärkten und klassischer Direktvermarktung. Durch die direkte Beziehung zwischen Produzierenden und Konsumierenden wird die Bedeutung einer nachhaltigen Landwirtschaft für die Mitglieder unmittelbar erlebbar.

Säulen der Nachhaltigkeit

Bei GeLa Ochsenherz werden alle drei Säulen der Nachhaltigkeit verwirklicht: Neben einer Vielzahl der erwähnten ökologischen Maßnahmen fördert die Gemeinschaft aus Ernteteiler:innen und Angestellten das soziale Miteinander und das Bewusstsein für biologische Landwirtschaft. Um einen Betrieb zukunftsfit zu machen, muss aber auch das ökonomische Fundament gesichert sein. Die Beiträge der Mitglieder sichern das Unternehmen wirtschaftlich ab und erlauben einen vielfältigen Anbau, der unter marktüblichen Rahmenbedingungen in dieser Betriebsgröße nur schwer tragbar wäre. Für die Menschen um GeLa Ochsenherz ist das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft ein Meilenstein, um saisonale und gesunde Lebensmittel zu produzieren und Ernährungssouveränität sicherzustellen.

Das Resümee der Jury

Die Mitglieder der Jury zeigten sich von der außergewöhnlichen Vielfalt bei Gela Ochsenherz beeindruckt: Mehr als 70 verschiedene Gemüse- und Kräuterarten sowie rund 500 verschiedene Sorten werden kultiviert und sichern die ganzjährige Versorgung der „Ernteteiler:innen“. Überzeugt hat die Jury auch das seit mittlerweile 15 Jahren erfolgreich gelebte Modell der Solidarischen Landwirtschaft. Durch die aktive Einbindung der Konsument:innen in den Betrieb wird das Bewusstsein für die Erzeugung und den Wert von Bio-Lebensmitteln nachhaltig gefördert.

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