Bio Award Niederösterreich & Wien 2026

GRAND FARM für Forschung und Demonstration

Alfred Grand, 3462 Absdorf

Schon als Kind war Alfred Grand von Regenwürmern fasziniert. Die Tiere waren für ihn schon damals etwas ganz Besonderes – so wertvoll, dass er einige von ihnen einsammelte und seiner Mutter zum Geburtstag schenkte. Die Leidenschaft ist geblieben: Alfred ist Regenwurmexperte und Bio-Landwirt, hat eine Wurmkompostanlage aufgebaut und Österreichs ersten Forschungs- und Demonstrationsbauernhof gegründet.

Von Regenwürmern und Bodengesundheit

Alfreds Weg zur biologischen Landwirtschaft begann mit intensiver Beschäftigung mit der Bodenbiologie. Wer täglich mit Millionen von Regenwürmern arbeitet, entwickelt einen anderen Blick auf den Boden: Man lernt, ihn aus der Perspektive des Regenwurms zu betrachten – als ein komplexes, lebendiges System.

Für Alfred war klar: Wenn er die Gesundheit des Bodens ins Zentrum rückt, folgen Biodiversität, Klimaresilienz und hochwertige Lebensmittel von selbst. Seither bildet die Logik natürlicher Kreisläufe die Grundlage des wirtschaftlichen Handelns.
Aus diesem Ansatz ist ein vielseitiges System entstanden, das die Bereiche Bodenfruchtbarkeit, Wurmkompostierung, Ackerbau, Agroforst, Marktgärtnerei, Forschung und Wissenstransfer miteinander verbindet.

Forschung und Demonstration – Landwirtschaft als Reallabor und Wissensvermittler

Den ersten Kontakt zur Wissenschaft hatte Alfred vor rund 20 Jahren während einer USA-Reise. Auf der Suche nach erfolgreichen Konzepten für die Kompostierung mit Regenwürmern besuchte er die Universität Berkeley. Dabei erkannte er, dass den Forscher:innen vielfach der Bezug zur Praxis fehlte. Wissenschaft und Praxis sollten daher viel enger zusammenarbeiten!

Diese Erfahrung war für Alfred der Anstoß, den Austausch mit der Wissenschaft aktiv voranzutreiben. Mittlerweile pflegt er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Lisi zahlreiche Kontakte und Projekte mit österreichischen und internationalen Forschungseinrichtungen. Auf der GRAND FARM wird Forschung direkt auf dem Feld unter realen Bedingungen betrieben. Beim sogenannten „On-Farm Research“ fließt das Wissen und die Erfahrung der Praktiker:innen von Beginn an mit ein. Dabei geht es nicht allein um die Frage, ob eine Methode funktioniert, sondern auch darum, wie sie unter Praxisbedingungen umgesetzt werden kann und ob sie wirtschaftlich tragfähig ist. Gleichzeitig versteht sich die GRAND FARM als Ort des Austauschs und des Dialogs. Der Demonstrationsbauernhof öffnet die Türen für die Gesellschaft, für Schulen, Fachkolleg:innen und politische Entscheider:innen.

Klimaresilienter Ackerbau und Agroforst

Aktuell werden am Forschungsbauernhof Anbausysteme entwickelt und erprobt, die den Betrieb widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und zunehmenden Wetterextremen machen. Ein Beispiel ist die Reduktion der Bodenbearbeitung. Hier wird unter anderem auch an Direktsaatverfahren geforscht: Mithilfe eines speziellen Gerätes (Roller-Crimper) werden Zwischenfrüchte niedergewalzt und bilden so eine schützende Mulchschicht, in die direkt gesät werden kann. Dadurch wird der Boden vor Überhitzung und Erosion geschützt, die Verdunstung reduziert und das Aufkommen von Beikräutern unterdrückt. Ergänzt wird der Ackerbau durch Agroforst-Systeme: die gepflanzten Baumreihen auf den Feldern schützen den Boden vor Winderosion, verbessern den Wasserhaushalt und fördern die Biodiversität.

Lebensräume schaffen

Alfred und Lisi schaffen gezielt Habitate, um Nützlinge als „biologisches Personal“ in den Betrieb zu integrieren: Blühflächen fördern Bestäuber, während Hecken und Agroforststrukturen Lebensraum für Nützlinge wie Marienkäfer und Schlupfwespen bieten. Auch größere Tierarten übernehmen wichtige Funktionen: Falken, Steinkäuze, Schleiereulen und Mauswiesel unterstützen die natürliche Mäusekontrolle, Fledermäuse reduzieren den Druck durch Maikäfer und andere Fluginsekten. So entsteht ein System, in dem ökologische Vielfalt zur natürlichen Produktionsleistung des Betriebes beiträgt!

Marktgärtnerei – Bündelung von Wissen und Gemüsevielfalt für die Region

Mit der „Taskforce Marktgärtnerei“ arbeiten Alfred, Lisi und ihr Team aktiv an der Bündelung von Wissen, um die rechtliche und fachliche Anerkennung der Marktgärtnerei in Österreich voranzutreiben. Ziel ist es, Modelle zu schaffen, die auch für zukünftige Hofgründerinnen und Hofgründer wirtschaftlich attraktiv sind.

Die Gemüsevielfalt aus dem hauseigenen GRAND GARTEN findet den Weg zu den Konsument:innen mit Kisterl-Abos, die über zentrale Stationen in der Region mittels E-Mobilität verteilt werden. Um den direkten Kontakt zum städtischen Publikum zu pflegen, wird das Gemüse auch wöchentlich auf einem Biobauernmarkt in Wien angeboten.

Brücke zur Wissenschaft

Die GRAND FARM fungiert als „Living Lab„. Alfred und Lisi holen die Forschung aus dem „Elfenbeinturm“ direkt auf den Acker und machen die Ergebnisse für andere Bäuerinnen und Bauern sicht- und nutzbar.

Das Resümee der Jury

Beim Biohof GRAND FARM hob die Jury insbesondere die Nähe zur Forschung sowie die „beinahe radikal“ hohe Innovationskraft als besondere Auszeichnung hervor! Der Betrieb arbeitet mit führenden internationalen Agrarforschungsstätten zusammen und fungiert als Reallabor, in dem Lösungen für die brennenden Fragen der Klimawandelanpassung unter Praxisbedingungen getestet und die Ergebnisse für andere Bäuerinnen und Bauern nutzbar gemacht werden. Die GRAND FARM bündelt zudem Wissen, um die rechtliche und fachliche Anerkennung der Marktgärtnerei in Österreich voranzutreiben, sie ist defacto das österreichische Netzwerkzentrum dieser Bewegung.

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